Fußball: Im Gespräch mit Uwe Meurer – FSV Vohwinkel

Wir möchten an dieser Stelle jetzt über einen Verein berichten, der für uns in der regionalen Medienwelt viel zu wenig Beachtung findet. Im Wuppertaler Westen hat sich seit einigen Jahren etwas entwickelt, dessen neue Strukturen uns längst positiv aufgefallen sind. Daran konnte auch der Abstieg von der Landesliga in die Bezirksliga im Jahre 2019 nichts ändern. Im Gegenteil.

Beim FSV Vohwinkel gibt es einen Plan, etwas Großes aufzubauen. Bemerkenswert ist hierbei vor allem, mit welchem Spirit die Verantwortlichen daran arbeiten. Dabei hat man aber zu keiner Zeit den Blick auf das Wesentliche verloren.

Angefangen hat alles mit dem Bau des Kunstrasenplatzes im Jahr 2014. Es folgten die Sanierungen des Umkleidetraktes, bestehend aus 4 großen Kabinen mit jeweils eigenen sanitären Bereichen sowie des vereinseigenen Vereinshauses mit einer großräumigen und modernen Gastronomie und der angrenzenden Zweiraumwohnung.

Sämtliche Maßnahmen wurden sowohl materiell als auch finanziell großzügig von Sponsoren unterstützt. Der Umbau des Vereinshauses konnte Anfang 2019 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.

Und ganz nebenbei finden Hallen-Stadtmeisterschaft in der Uni Halle sowie Nachwuchsveranstaltungen, wie z. B. der Tag des Jugendfußballs, regelmäßig einen Platz in der Saisonplanung der Füchse. Beim FSV hat sich ein erfahrener aber vor allem auch ambitionierter Vorstand gebildet, der von kompetenten Persönlichkeiten professionell unterstützt wird und die seit Sommer 2019 fester Bestandteil des gesamten Teams geworden sind.

Der 1. Vorsitzende Karlheinz Zorr und Rolf Szymanski, Peter Wiesen als GF und der ehemalige Profi Holger Gaißmayer, seit Jahren sportlicher Leiter im Verein, arbeiten Hand in Hand mit routinierten und erfahrenen Vorstandskollegen, wie Uwe Meurer, Ralf Hellmond und Andrea Baudenbacher. Sven Steup und Maria Nitzsche ergänzen das erweiterte Vorstandsteam. Zu guter Letzt ist Anfang Januar 2020 Peter Jansen als neuer Jugendkoordinator festes Teammitglied geworden.

Teamwork wird großgeschrieben. Man merkt sofort, hier arbeiten alle am gleichen Ziel.

Die aktuelle Saisonunterbrechung kam für die sympathischen Wuppertaler bedauerlicherweise genau zum falschen Zeitpunkt. Mit einem Sieg im Nachholspiel würde man punktemäßig zum Tabellenführer 1. FC Wülfrath aufschließen und vermutlich einen Aufstiegsplatz belegen. Keiner weiß, wie es sportlich weitergehen wird. Trotzdem mahlen die Mühlen in Vohwinkel fleißig weiter.

Für uns höchste Zeit sich über die aktuelle Situation und über die Planungen für die Zukunft zu erkundigen.

Uwe Meurer, die Saisonunterbrechung kam für euch sehr unglücklich. Eine Entscheidung, wie es weitergehen wird, ist noch offen. Es ist anzunehmen, dass ihr wieder in die Landesliga aufsteigen werdet. Was sind Deine aktuellen Gedanken in dieser Situation. Ist die späte Entscheidung für die Vereine gut oder schlecht? Was wünscht Du dir, wie es weitergeht?
UM: „In der Tat kam die Unterbrechung oder das Aus der laufenden Saison pandemiebedingt zu einem unglücklichen Zeitpunkt für unsere 1. Mannschaft. Sie hatte einen sehr guten Lauf und der Griff zur Tabellenführung war durchaus machbar. Wir hätten uns, wie viele andere Vereine auch, sehr gewünscht, wenn die Entscheidung, wie es weitergeht, wesentlich früher gefallen wäre. So hängen wir, wie man so schön sagt, in der Luft und haben sportlich noch keine Planungssicherheit. Egal, ob weiter mit zwei Landesligen oder mit einer neuen dritten Landesliga wünsche ich mir den Aufstieg. Schließlich würden wir bei einem Abbruch der laufenden Saison im Verhältnis von Punkte und absolvierte Spiele einen Quotienten haben, der den 2. Tabellenplatz ausmacht.“

Im Profibereich scheinen einige Vereine wegen der Corona-Pause finanzielle Probleme zu bekommen. Fernsehgelder bleiben aus. Wie wirkt sich die Pause bei Amateurvereine aus. Müsst ihr für die neue Saison auch mit einem spitzeren Bleistift rechnen? Fehlen dem Verein Einnahmen durch die Pause?
UM: „Ich kann nicht beurteilen, wie sich die Pause bei anderen Amateurvereinen bemerkbar macht. Wir beim FSV Vohwinkel haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und konnten uns auch Dank unserer treuen Sponsoren bisher gut durch die Zwangspause manövrieren. Sobald wir wissen, wann und wie es weitergeht, werden wir uns mit der Haushaltsplanung für den Seniorenbereich (noch) intensiver beschäftigen. Ob und wie spitz der Bleistift dann tatsächlich sein muss, wird sich dann herausstellen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass Maria Nitzsche und ich, als zuständige Personen für das Marketing, es schaffen, eine solide finanzielle Basis für die neue Saison, ligaunabhängig, hinzubekommen.“

Wo trifft das Virus den FSV, organisatorisch gesehen?
UM: „Am schlimmsten sicher im sportlichen Bereich. Hier fehlt es allen Mannschaften an geregelten Trainingseinheiten. Weder Trainer noch Spieler/innen wissen wirklich, wo sie bzw. die Mannschaften leistungsmäßig stehen. Der Treffpunkt „Vereinsheim“ fehlt. Notwendige Vorstandssitzungen haben wir via Skype abgehalten. Aber der persönliche Kontakt ist schon besser.“

Wie geht es mit dem FSV nach der Pause weiter?
UM: „Mit unserer 1. Mannschaft hoffentlich in der Landesliga. Schließlich stellt das Team innerhalb unseres reinen Fußballvereins das Aushängeschild dar. Und auch in allen anderen Bereichen arbeiten wir weiter an einer positiven und nachhaltigen Entwicklung.“

Welche Aspekte muss der Verein wegen der Corona-Krise verstärkt in die Überlegungen und Planungen des eigenen Kaders einbeziehen?
UM: „Wir waren auch in den letzten Monaten nicht untätig und haben fleißig am Kader für die nächste Saison gearbeitet. Dabei haben wir auf Kontinuität gesetzt. Wir sind von der Qualität unserer bisherigen Mannschaft überzeugt und davon, dass sie auch Landesliganiveau besitzt. Nur wenige Spieler verlassen den Verein. Bei den Neuzugängen handelt es sich um echte Verstärkungen oder um junge talentierte Spieler mit Potential für den Sprung in die erste Mannschaft. Insgesamt spielt die Corona-Krise keine so wesentliche Rolle bei den Planungen des zukünftigen Kaders.“

Wie wird sich der Fußball in Deinen Augen mittelfristig nach Corona entwickeln?
UM: „Man wird hoffentlich wieder noch mehr zu schätzen wissen, wie schön unsere Sportart ist. Die bisherigen Geisterspiele in den ersten drei Ligen haben gezeigt, dass die Spieler respektvoller mit ihrem Gegner und mit den Schiedsrichtern umgehen. Das wünsche ich mir auch für alle Amateurligen.“

Ihr habt in den letzten Jahren großartige Arbeitet geleistet und einige namhafte Partner für euch gewinnen können. Was sind eure mittelfristigen Ziele in Vohwinkel?
UM: „Wir wollen uns als unverzichtbaren Fußballverein in Vohwinkel etablieren und als solcher noch mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Wir sind Freund und Partner aller sport- und fußballbegeisterten Bürger, insbesondere in Vohwinkel aber auch über die Grenzen von Vohwinkel hinaus.“

Ihr kümmert euch auch vorbildlich um euren Nachwuchs. Welchen Stellenwert hat der Nachwuchs in euren Planungen?
UM: „Wie in jeder Sportart hat auch im Fußball eine gute Nachwuchsarbeit einen hohen Stellenwert. Mit dem Gewinn von Peter Jansen als neuem Jugendkoordinator und einem auch von Sven Steup erarbeiteten sportlichen Gesamtkonzept ist die Entwicklung unserer Nachwuchsspieler von außerordentlicher Bedeutung. Mittelfristig streben wir an, auch mit unserer Jugendabteilung eine Führungsrolle in Wuppertal zu übernehmen. Das würde im Erfolgsfall den Verein auch finanziell entlasten.“

Ihr organisiert nicht nur den „Tag der Jugend“ im ehrwürdigen Stadion am Zoo, sondern seit auch Veranstalter bei der traditionellen Hallen-Stadtmeisterschaft in der Uni-Halle. Wie wichtig sind solche Events für den Verein?
UM: „Ich darf sagen, dass der FSV Vohwinkel seit vielen Jahren unter Beweis gestellt hat, dass wir als relativ kleiner Fußballverein auch solche Großveranstaltungen ausrichten können. Das bekommt man nur hin, wenn alle Vereinsmitglieder, die Elternschaft sowie die Freunde und Sponsoren des FSV an einem Strang ziehen. Und das funktioniert auch nur, wenn die Motivation für die Ausrichtung eines solchen Ereignisses vorhanden ist. Das war bisher immer der Fall, trotz des enorm hohen Organisations- und Arbeitsaufwandes. Außerdem soll ja auch ein bisschen Geld für die „klamme“ Vereinskasse übrig bleiben. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, dass eine Hallenfußball-Meisterschaft in der Uni Halle oder „Der Tag des Jugendfußballs“ am Leben bleiben. Insgesamt sind wir beim FSV auch ein bisschen stolz darauf, dass wir diese Veranstaltungen für den Fußballkreis und für unsere Heimatstadt ausrichten dürfen.“

Gibt es schon Planungen für die Hallen-Stadtmeisterschaft?
UM: „Der Vorsitzende des Fußballkreises Stefan Langerfeld hat mir gegenüber signalisiert, dass der FSV wieder die Endrunde der Hallenmeisterschaft 2021 ausrichten darf. Aber, was den Beginn der Planungen angeht, hat uns die Corona-Pandemie zeitlich doch stark ausgebremst. Die Organisation ist grundsätzlich aufgrund unserer reichhaltigen Erfahrung nicht das Problem. Voraussetzung ist aber, dass das Event überhaupt Anfang 2021 in der Uni Halle vor einer unbegrenzten Zuschauerzahl stattfinden kann. Und hierfür fehlen zur Zeit die verbindlichen Signale. Wir dürfen nicht unerwähnt lassen, dass wir als Veranstalter finanziell in Vorleistung treten müssen. Kunstrasen, Bande, Security und Verpflegung der Zuschauer und Helfer haben ihren Preis. Und der liegt bei einem mittleren fünfstelligen Betrag. Eine Ausfallversicherung gibt es nicht. Außerdem sind wir auf Unterstützung von Sponsoren angewiesen (Bandenwerbung etc.). Also müssen wir noch etwas abwarten. Entweder fällt die Hallenmeisterschaft 2021 der Pandemie zum Opfer oder wir als Veranstalter müssen improvisieren. Ich denke, dass wir Ende August, Anfang September mehr dazu sagen können.“

Lass uns auch mal kurz über Dich sprechen. Du bist nicht nur beim FSV sehr engagiert. Du bist grundsätzlich ein sportbegeisterter Mensch und auch Mitglied im Sportstadt-Wuppertal e.V. – welchen Stellenwert hat das Engagement für Dich?
UM: „Neben meiner Familie hat der Sport in meinem Leben schon immer eine „herausragende“ Rolle gespielt. Natürlich steht der Fußball an vorderster Stelle, zumal ich selbst aktiv war, aber leider schon in jungen Jahren aufgrund einer Knieverletzung hier keine Zukunft mehr hatte. Und so ist es zwangsläufig dazu gekommen, dass ich mich ehrenamtlich beim FSV Vohwinkel betätige und vor einiger Zeit auch Mitglied im Sportstadt-Wuppertal e. V. geworden bin. Der Verein Sportstadt-Wuppertal, dessen Vorsitzenden Jörg Wolff ich zu meinem Freundeskreis zählen darf, unterstützt den Breiten- und im Schwerpunkt den Leistungssport in unserer Region. Idee und Konzept des Vereins haben mich nicht nur überzeugt sondern begeistert mich. Und deshalb bin ich auch bei der Ausrichtung von Sportevents durch die Sportstadt-Wuppertal möglichst immer dabei.“

Ich finde, in Wuppertal gibt es einige Vereine, die mit ihren großartigen Leistungen beste Werbung für die Stadt und Region betreiben. Es gibt sogar auch ein paar Vereine die International sehr erfolgreich auftreten. Ist es nicht ärgerlich, dass am liebsten täglich über den Kassenstand von einem Verein mit finanziellen Problemen geschrieben wird. Zumal es doch über so viel Positives zu berichten gibt!? Oder muss es immer Fußball sein?
UM: „In unserer Gesellschaft üben wir gerne Kritik und vergessen sehr oft das Lob. Und das gilt allzu häufig auch im Sport. Vereine, die durch ihre Leistungen für unsere Stadt über die Stadtgrenzen hinaus und sogar international positive Werbung betreiben, verdienen meinen größten Respekt. Und hierbei ist es egal, um welche Sportart es geht. Aber den gleichen Respekt zolle ich den vielen ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, die ihren Verein tagtäglich durch ihr unermüdliches Engagement am Leben halten. Auch hier spielt die Sportart keine Rolle. Und eins ist doch klar. Es gibt in Wuppertal kaum einen Sportverein, der nicht mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte oder hat. Das hat viel mit der Kommune zu tun. Denn wo die Haushaltsmittel ohnehin schon vorne und hinten nicht reichen, wird leider schnell mal beim Sport gespart. Da werden die Sachzwänge von der Politik gerne als Begründung herangezogen. Fakt ist, dass viele Vereine in Wuppertal von ihren Mitgliedsbeiträgen kaum überleben können. Sie würden ohne Unterstützung von Sponsoren „den Bach runter gehen“. Ja, die Wuppertaler Medien müssten viel mehr auch über die interne Arbeit der Vereine in unserer Region berichten. Denn das ist positiv und würde vielleicht den einen oder anderen auch animieren, in einen Verein zu gehen und dort evtl. aktiv oder ehrenamtlich mitzuwirken. Ja, und auch hier möchte ich anmerken, das gilt für alle Sportarten, auch für den Fußball.“

Es gibt mittlerweile sehr viele Online-Sportportale, die aber alle über dasselbe schreiben. Besonders vorbildlich finde ich das Engagement von Erdinc Özcan-Schulz der mit „Alles-Handball“ auch dem Wuppertaler Breitensport eine Bühne zur Verfügung stellt. Was wünscht Du Dir von den Medien?
UM: „Eigentlich habe ich die Antwort schon auf die letzte Frage gegeben. Ich wünsche mir von den wenigen Medien, die wir in Wuppertal noch haben, wesentlich mehr Berichterstattung über die Arbeit aller Sportvereine in unseren Stadtteilen. Und da, wo es aufgrund von Spitzensport oder Spitzenleistungen (auch organisatorisch) herausragendes gibt, darf es auch ein bisschen mehr sein. Der Bürger hat ein Recht auf Informationen. Und die Dienstleister hierfür sind nun mal die Medien.“

Stefan Gottschalk

Als Finanzierungs- und Leasingspezialist sind Weiterentwicklungen für mich immer eine interessante Sache. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nach diesem Motto lebe ich und habe mit dieser Maxime bereits einiges in meinem Leben erreicht. Technischer Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle Motorsport stehen im Mittelpunkt meiner Interessen. Aus Begeisterung für Neues aus Wirtschaft, Technik und Maschinen!

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