Speedklettern: Franziska Ritter – DAV Sektion Wuppertal

Die motivierte Deutsche Meisterin im Speed-Klettern erzählt im Gespräch mit TM, was sie an der Disziplin so begeistert und was sie sich trotz oder vielleicht gerade wegen der Corona Pause noch für Ziele gesetzt hat. Was sind ihre Ziele, wie denkt sie über die Olympischen Spielen in Paris 2024 und welche Eindrücke hat sie von den Ruhr Games, Europas größtes Sport-Festival für Jugendliche? Durch das neue, extra für die Olympischen Spiele in Tokio entwickelte Combined-Format erwachte die in Deutschland jahrelang nicht besonders populäre Disziplin Speedklettern aus ihrem Dornröschenschlaf. Sie gehört zu den erfolgreichsten deutschen Hoffnungen für die Zukunft. Franziska Ritter!

Deutscher Alpenverein und Speedklettern verbindet man nicht unbedingt mit Wuppertal. Wie hast du den Sport für dich entdeckt?
FR: Ich habe schon mit acht Jahren angefangen, auf Wettkämpfen zu klettern. Diese bestanden aus den drei Disziplinen – Bouldern, Lead (Toprope) und eben Speed. Die Disziplin Speed hat mir damals schon gelegen und so bin ich später dazu gekommen, mich an der genormten Speedwand (was bedeutet, dass diese Wand mit der Route darauf überall auf der Welt gleich ist und auch schon seit mehreren Jahren in dieser Form existiert) auszuprobieren.

Was fasziniert Dich so am Speed-Klettern? Was macht diese Sportart für Dich aus?
FR: Das Speedklettern fasziniert mich, da es für mich immer wieder ein besonderes Gefühl ist. zu starten, vor allem auf Wettkämpfen und vor Publikum. Es ist dieser kurze Moment voller Konzentration, alles drum herum verschwimmt und nichts anderes zählt. Das Startsignal ertönt, man hört nur dumpf im Hintergrund die Geräusche des Publikums, du siehst den Gegner aus dem Augenwinkel und du hast nichts anderes im Kopf als zu gewinnen. Und entweder es klappt, du konntest alles perfekt abrufen und all dein Training zahlt sich aus – oder eben nicht. Winzige Augenblicke, kurze Momente von Unaufmerksamkeit entscheiden. Das ist der Reiz.

„Die Wupperwände sind wie ein zweites Zuhause für mich!“

Du hast auch das Bouldern für Dich entdeckt. Außer vielleicht ein crashpad gibt es keine Absicherung für die Sportler. Kostet es nicht unheimlich viel Überwindung den Sport auszuüben. Hast Du schon mal Angst?
FR: Natürlich. Es gibt Bewegungen, zum Beispiel Sprünge, die macht man einfach nicht gerne ganz oben an der Wand in drei oder 4 Metern Höhe. Aber normalerweise ist das kein Problem beim Bouldern. Oftmals ist man ja auch nicht alleine, so dass du jemanden dabei hast, der aufpasst, dass du nicht blöd fällst. Das gibt dir noch ein bisschen mehr Gefühl von Sicherheit als nur die Matte unten dir.

Wo trainierst Du am liebsten? Gibt es einen Ort, wo Du besonders gerne trainierst? Hast Du evtl. einen Lieblingsfelsblock?
FR: Auf jeden Fall die Wupperwände. Es ist für mich wie ein zweites Zuhause. Dort habe ich angefangen zu klettern und bin immer noch jedes Mal gerne da.

Wie sind die Trainingsmöglichkeiten in Wuppertal für Dich?
FR: Für das Bouldern sind die Trainingsmöglichkeiten eigentlich ganz gut. Speed kann ich in Wuppertal leider gar nicht trainieren und mir fehlt dort auch eine Art Krafttrainingsraum. Fürs Leadklettern sind die Wupperwände aber auch ideal.

Wie oft trainierst Du in der Woche? Du bereitest Dich gerade auch auf Dein Abitur vor, wie verbindest Du gerade Deine ambitionierten sportliche Ziele und Schule?
FR: Aktuell habe ich viel mehr Zeit für mein Training, was für mich wirklich super ist. Ich kann mir momentan meine Zeit besser einteilen und organisieren. Normalerweise ist es ein etwas größeres Problem, gerade jetzt in der Vorbereitung auf das Abitur. Da ist schon noch mal viel mehr Druck da.

„Anfang des Jahres habe ich meinen eigenen Rekord gebrochen“

https://www.youtube.com/watch?v=WYFZKDnS3zg

Du bist gerade den Deutschen Rekord gelaufen. Stimmt das, dass es aber gar nicht Deine beste Zeit ist, und Du schon mal schneller warst?
FR: Ja das stimmt. In einem Trainingslager Anfang des Jahres habe ich meinen eigenen Rekord gebrochen (inoffiziell, da es kein Wettkampf war). Dort hatte ich eine Zeit von 8,4 Sekunden. Aber ich denke, dass das eigentlich egal ist. Man muss es erst mal unter Wettkampfbedingungen schaffen!

Was sind Deine sportlichen Ziele? Wie geht es für Dich weiter, wie sehen Deine Pläne aus?
FR: Ganz klar sehe mich im Speed, aber auch im Bouldern, immer weiter zu verbessern, weiterhin auf Wettkämpfen zu starten, gute Platzierung erzielen, Rekorde brechen und ganz wichtig, nie den Spaß daran verlieren! Ein großes Ziel ist für mich auf jeden Fall die Jugend Weltmeisterschaft 2022 in den USA, aber auch mich im nächsten Jahr auf den World Cups mit den Erwachsenen messen zu können.

„Ein großes Ziel ist für mich auf jeden Fall die Jugend Weltmeisterschaft 2022 in den USA“

Sportlich lief für Dich bis zur Corona Pause alles nach Plan!? Deutscher Rekord, Bronze beim European Youth Cup etc. – wie denkst Du jetzt mit etwas Abstand über deine letzten Wettkämpfe?
FR: Ich bin mehr als zufrieden! Ich bin super stolz auf all diese Erfolge und würde daran – auch an den weniger erfolgreichen Wettkämpfen – nichts ändern wollen beziehungsweise sie noch mal machen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Warum ich aber alle Wettkämpfe gerne noch mal machen würde, ist, weil es jedes Mal unglaublich schöne Momente, mit tollen Menschen an unbekannten Orten sind. Es ist jedes Mal ein Abenteuer, unvorhersehbar was passiert, nachdem ich die Haustüre verlasse.

Du wurdest gerade mit dem „Wuppertaler Triangulum in Gold“ ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet Dir eine solche Auszeichnung?
FR: Dankeschön! Mir bedeutet es wirklich sehr viel. Es zeigt mir, dass es wert ist, so viel Zeit in mein Training zu investieren. Auch an Tagen, an denen mir Motivation fehlt, oder ich mich einfach nicht fit fühle, erinnert mich die Kette an meinem Hals daran, warum ich das alles tue und, dass ich verdammt stolz darauf sein kann.

Wünschst Du Dir in regionalen Medien manchmal etwas mehr Präsenz für den Rand- und Leistungssport?
FR: Ja, auf jeden Fall! Ich finde es immer ziemlich cool, wenn Leute darauf aufmerksam werden und ich Menschen mit dem begeistern kann!

Speed Klettern bei Olympia 2024 – sei ehrlich, gibt es schon mal Momente, wo Du schon mal darüber nachdenkst?  Welchen Platz in Deiner sportlichen Planung hat das Turnier in Paris für Dich?
FR: Klar, das ist der große Traum. Gerade jetzt hatte ich viel Zeit darüber nachzudenken und ich bin mir sicher, dass ich es probieren werde!

Rand- und Breitensport. Die Ruhr Games sind eine alle zwei Jahre stattfindende Jugendsportveranstaltung für den Randsport. Welche Eindrücke hast Du mit nach Hause genommen?
FR: Einfach nur wow! Es war für mich ein absolutes Highlight und bis jetzt noch der abgefahrenste Wettkampf meines Lebens. Es hat unendlich viel Spaß gemacht vor so einem riesigen, begeisterten Publikum zu klettern. Diese Momente werde ich nie vergessen!

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?
FR: Ich wünsche mir, dass noch mehr Leute das Klettern für sich entdecken, so dass diese wirklich coole Community noch weiter wächst. Für mich selber wünsche ich, dass ich nie den Spaß am Klettern verliere und noch viele coole Wettkämpfe erleben werde!

Bei uns gehört das letzte Wort immer den Sportler. Was möchtest Du unseren Lesern evtl. noch mitteilen. Haben wir evtl. bei unserer Recherche ein aktuelles Thema vergessen?
FR: Dankeschön für das Interview. Ich hoffe, ich konnte allen einen guten Einblick geben, was für mich das Wettkampfklettern bedeutet. Bleibt alle gesund, habt Spaß am Sport, probiert Neues aus und vielleicht bis ganz bald in der Boulderhalle!

Stefan Gottschalk

Als Finanzierungs- und Leasingspezialist sind Weiterentwicklungen für mich immer eine interessante Sache. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nach diesem Motto lebe ich und habe mit dieser Maxime bereits einiges in meinem Leben erreicht. Technischer Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle Motorsport stehen im Mittelpunkt meiner Interessen. Aus Begeisterung für Neues aus Wirtschaft, Technik und Maschinen!

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