Triathle: Mira Pazic – SV Bayer Wuppertal

Ihre Historie liest sich fast wie das Guinnessbuch der Rekorde. Egal, ob im Triathle (Schießen, Laufen, Schwimmen) oder Modernen Fünfkampf (Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten, Querfeldeinlauf), Kombinationssport ist ihre Passion. Sie gehört aktuell zu den erfolgreichsten Sportlerinnen im Bergischen Land. Zahlreiche Erfolge auf internationalen Turnieren in Rom, Prag oder Schweiz, deutsche Meisterschaft bis zum 36. Wuppertaler Triangulum in Gold. Aufgrund dieser Erfolge ist sie auch für den FELIX-Award (bester Newcomerin Nordrhein Westfalen) nominiert worden

Mira Pazic läuft der Konkurrenz davon und steht gerade erst am Anfang ihrer Erfolgsleiter. Die 17-jährige Haanerin besucht die 12. Klasse des Städtischen Gymnasiums und gilt als Newcomerin des Jahres 2019 im Modernen Fünfkampf. Bereits jetzt holte sie mehrfach Silber- und Bronzemedaillen bei der Biathle/Triale EM und der Laserrun EM, außerdem ist sie vierfache Deutsche Meisterin. Eine großartige Leistung, zu der wir der aufstrebenden Athletin herzlich gratulieren!

„Ich schaffte direkt den Sprung in den Landeskader“

Mira, Deine Bilanz ist beeindruckend. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie Du mit dem Sport angefangen hast? Wie kommt man zum Modernen Fünfkampf?
MP: Ich komme ursprünglich vom Leistungsschwimmen und habe dann irgendwann angefangen, mich nach Alternativen umzusehen, weil das Schwimmtraining mir auf Dauer zu eintönig wurde. Da ich schon immer mal Fechten und Reiten wollte, hat sich das dann irgendwann so ergeben, dass ich mal ein Probetraining am Landesstützpunkt in Bonn gemacht und angefangen habe, verschiedene Disziplinen zu trainieren und auch direkt den Sprung in den Landeskader geschafft. In den letzten zwei Jahren habe ich mich dann noch mehr auf Triathle, einer Unterdisziplin des Modernen Fünfkampfes, spezialisiert, die aus Schießen, Schwimmen und Laufen direkt hintereinander besteht. Triathle kommt mir vom Training her entgegen, da ich für das Fechten und Reiten immer viel durch die Gegend fahren musste und teilweise keinen Regenerationstag mehr hatte.

Was reizt dich daran?
MP: Die Vielseitigkeit und damit auch die Abwechslung im Training.

Kannst Du Dich noch an Deine ersten Wettkämpfe erinnern?
MP: Die ersten Wettkämpfe waren vor allem anstrengend. Sowohl mental als auch körperlich, da sich so ein Fünfkampf manchmal schon zieht, aber alles an einem Wochenende geschafft werden muss.

Welche Rolle spielt in Deinen Leben der Sport generell?
MP: Sport war für mich schon immer Teil meines Lebens und wird es vermutlich auch immer bleiben. Ich brauche einfach die Bewegung und mir macht es einfach Spaß, im Training an meine Grenzen zu gehen.

Du machst gerade Dein Abitur. Leidet Dein Training darunter? 5 Disziplinen – da kommt ein enormes Trainingspensum zusammen.
MP: Durch meinen Fokus auf Triathle habe ich zumindest schon mal etwas Zeit eingespart, aber trotzdem mache ich in der Wettkampfvorbereitung meistens zwei Trainings Einheiten am Tag. Aufgrund meines Abiturs habe ich aber bereits letztes Jahr nach der EM auf Madeira beschlossen, mein Abschlussjahr auf die Schule zu fokussieren. Durch Corona habe ich jetzt im Endeffekt sowieso nichts verpasst, aber ich wollte mir den Druck nehmen, mich ständig auf Wettkämpfe vorbereiten zu müssen.

Wie schaffst du es überhaupt, in fünf verschiedenen Disziplinen ein hohes Niveau zu erreichen?
MP: Als Mehrkämpfer sagt man gerne, man kann alles ein bisschen, aber nicht richtig. Ich würde sagen, das trifft auch auf mich zu. Ich bin in allen Disziplinen ganz gut, aber in der Kombination bin ich besser als mach anderer.

Wie kannst du es überhaupt koordinieren, dass dir im Training immer das richtige Equipment, die Anlage und auch die richtigen Trainingspartner zu Verfügung stehen?
MP: Da ich keinen Stützpunkttrainer habe, organisiere ich mein Training komplett alleine. Das gibt mir einerseits die Möglichkeit, alles selber zu planen, allerdings trainiere ich dadurch auch überwiegend alleine und muss alle Trainingspläne selber schreiben und aufeinander abstimmen. Ich habe das Glück, dass mich meine jeweiligen Trainer in den Einzeldisziplinen, sofern sie denn vorhanden sind, super unterstützen und mir vertrauen, dass ich alles selber koordinieren kann.

Die letzten Monate waren sehr erfolgreich für Dich. Wird das für Dich nicht langsam „business as usual“ oder spürst Du immer noch Nervenkitzel und Begeisterung?
MP: Natürlich bin ich immer noch vor jedem Wettkampf aufgeregt, aber vor allem weil, ich einfach mein Bestes geben möchte, um zu zeigen, wofür ich die ganze Zeit trainiert habe.

Du bist eine der stärksten Vertreterinnen deiner Sportart. Wie stark sind die Deutschen generell im Modernen Fünfkampf im internationalen Vergleich?
MP: Im Modernen Fünfkampf sind die Deutschen sehr gut vertreten und auch erfolgreich. Im Triathle allerdings bin ich in meiner Altersklasse so gut wie die einzige und muss mich eher mit der internationalen Konkurrenz vergleichen. Zu nennen ist insbesondere Großbritannien, die ein starkes Team aufgestellt haben.

Moderner Fünfkampf klingt eher nach Leichtathletik als an die Kombination aus Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Crosslauf, die wiederum fast schon etwas Militärisches hat. Kannst du uns kurz etwas über die Geschichte deiner Sportart erzählen?
MP: Moderner Fünfkampf wurde als Disziplin für die Olympischen Spiele entwickelt und kommt tatsächlich eher aus dem Militär. Früher war das Schießen auch noch nicht so wie jetzt mit dem Laufen verbunden, sondern fand mit der Luft- statt Laserpistole als Einzelevent statt.

Warst du schon jemals geneigt, die Sportart zu wechseln? Bei deinem Talent und Ehrgeiz wärst du sicherlich auch woanders sehr erfolgreich gewesen.
MP: Nachdem ich schon nur geschwommen bin, war mir klar, dass mir Mehrkampfsportarten mehr liegen. Aber natürlich wollte ich eigentlich auch gerne mal andere Sportarten ausprobieren, vielleicht habe ich jetzt im Studium die Gelegenheit dazu.

Wie würdest du denn das Image deiner Sportart bezeichnen?
MP: Moderner Fünfkampf ist der Inbegriff der Vielseitigkeit, da sie Disziplinen so grundverschieden sind. Das macht auch die Sportler aus, die diese Sportart betreiben, denn jeder kann eine andere Disziplin besser.

Wie wichtig ist dir die öffentliche Anerkennung deines Sports?
MP: Es wäre schon schön, wenn ein paar mehr Leute meine Disziplin kennen würden, die meisten Fragen nur: „Was ist das denn?“  und verwechseln es mit dem Mehrkampf in der Leichtathletik. Das ist natürlich schade, weil ich oft keinerlei Anerkennung dafür bekomme, wie viel Zeit und Energie ich investiere. Wenn ich eine bekanntere Sportart machen würde, wäre das vielleicht anders.

„Das Triangulum kam für mich sehr überraschend“

Du hast den 36. Wuppertaler Triangulum in Gold bekommen. Was bedeutet Dir eine solche Auszeichnung?
MP: Das Triangulum kam für mich sehr überraschend, da ich nicht damit gerechnet habe, dass überhaupt jemand von meinen Erfolgen mitbekommt, da Triathle halt so unbekannt ist. Es ehrt mich sehr, dass unter so vielen ausgerechnet ich ausgewählt wurde und das motiviert mich extrem, weiter zu machen, auch wenn es manchmal so scheint, als ob niemand meinen Sport beachtet.

Was ist für Dich schöner. Beim Sport erfolgreich zu sein, oder für seine sportlichen Erfolge ausgezeichnet zu werden?
MP: Der eigentliche Erfolg im Wettkampf ist mir viel wichtiger, als im Nachhinein dafür ausgezeichnet zu werden, denn dort messe ich mich mit anderen Leuten, die selber wissen was es bedeutet so viel zu trainieren und dadurch ist mir zum Beispiel auch deren Anerkennung wichtiger. Auszeichnungen sind aber natürlich auch toll und nochmal eine ganz andere Motivation.

Bist du eher der Typ, der seine Karriere beenden würde, wenn er alles erreicht hat oder wenn er die gesteckten Ziele nicht mehr erreichen würde?
MP: Ich bin eher ein Fan davon,  dann aufzuhören, wenn es schön ist, als vielleicht unter semi-optimalen Bedingungen weiter zu machen und dann unnötigen Druck zu kreieren. Das heißt ja nicht, dass ich aus diesem Grund nie wieder Sport mache, aber ich bin selber auch zu ehrgeizig, um mit einer zweitrangigen Performance zufrieden zu sein.

Welche Wettkämpfe stehen denn 2020 noch an?
MP: Eigentlich war für den Sommer 2020 die Biathle/Triathle WM in Deutschland geplant, die wurde jetzt aufgrund von Corona auf nächstes Jahr verschoben. Da ich im September anfange, in den Niederlanden zu studieren, steht die konkrete Planung für die Zwischenzeit noch offen. Wenn der Termin passt, werde ich auf  jeden Fall die Teilnahme an der Mixed-Staffel anstreben. Die LaserRun WM, die im Anschuss an die Biathle/Triathle WM ebenfalls in Deutschland hätte stattfinden sollen, war bereits für 2021 nach Weißrussland vergeben, so dass ich daran eher nicht teilnehmen kann.

Zum Schluss noch die Fragen der Fragen. Was sind Deine Ziele für die Zukunft. Was wünscht Du Dir, wo siehst Du Dich in fünf Jahren?
MP: Momentan steht für mich mein Studium im Vordergrund, aber ich kann mir gut vorstellen, während dessen weiter zu trainieren, insbesondere in Bezug auf Triathle und LaserRun. Denn, wenn ich ganz ehrlich bin, brauche ich schon die Beschäftigung, die ich sonst mit den vielen Stunden Training ausgefüllt habe. Spätestens im Masters Bereich will ich auf jeden Fall wieder einsteigen. Vielleicht wechsle ich ja auch in der Zwischenzeit die Sportart, wer weiß?

So, der Schluss gehört bei uns immer unseren Gästen. Haben wir etwas vergessen oder möchtest Du unseren Lesern noch etwas mitteilen!?
MP: Ich hoffe, dass mein Beispiel zeigt, dass man auch als Sportler in einer unbekannten Sportart viel erreichen kann und dass der Erfolg früher oder später auch anerkannt wird. Bei mir hat es ein paar Monate bis nach der EM gedauert und dann kamen auf einmal viele Gelegenheiten, wie das Triangulum oder der Felix-Award, wo auf einmal Leute auf mich aufmerksam wurden. Und selbst,wenn das nicht so gewesen wäre, mache ich den Sport im Endeffekt, weil er mich erfüllt und mir Spaß mach, mit Anerkennung durch andere oder ohne ist mir eigentlich egal.

Stefan Gottschalk

Als Finanzierungs- und Leasingspezialist sind Weiterentwicklungen für mich immer eine interessante Sache. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nach diesem Motto lebe ich und habe mit dieser Maxime bereits einiges in meinem Leben erreicht. Technischer Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle Motorsport stehen im Mittelpunkt meiner Interessen. Aus Begeisterung für Neues aus Wirtschaft, Technik und Maschinen!

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