Im Gespräch mit Martin Schoepe – Mit neuem Reglement in die Sportschau

Martin Schoepe - Taekwondo Sport Schule Wuppertal e.V.

Eins vorweg: Es hat sich viel bewegt in den letzten Wochen und Monaten. Die Verantwortlichen haben die Corona-Zwangspause genutzt und sich viele Gedanken gemacht. Das neue Reglement des Weltverbands World Taekwondo ist eingeschlagen wie eine Bombe und macht den Sport nicht nur für die Sportler viel attraktiver. Ich würde mir wünschen, dieser Artikel schafft es auch einmal auf den Schreibtisch eines Senders, der für sein Publikum einen schnellen, technisch anspruchsvollen, aber auch transparenten Sport mit großartigen Athleten sucht. Bis heute kann ich es nicht verstehen, dass man zwar brutale Käfigkämpfe zur Primetime für sendefähig hält, aber einem olympischen Sport noch nicht einmal im Vorprogramm eine Chance geben möchte!?

Kommen wir direkt zum Punkt! Die Umsetzung des neuen Reglements, das in Hessen und in Berlin bei den DTU Final9 bereits zur Anwendung kam, ist ein Garant für noch mehr Action. Taekwondo ist damit viel spektakulärer geworden. Allein das neue „Best of 3“ macht die Wettkämpfe für die Sportlerinnen und Sportler wesentlich unberechenbarer. Es ist kein seltenes Bild, dass eine hoch gewonnene erste Runde gleichzeitig auch den Gesamtsieg bedeutet. Im Rahmen der Wettkämpfe gab es einige Überraschungen. Große Anerkennung an die Erfinder! Hier hat man dem Sport einen großen Dienst geleistet und ihn sinnvoll modernisiert.

Aus erster Hand wollen wir wissen was die Coaches zum neuen Regelwerk sagen. Mit Martin Schoepe vom T.S. Wuppertal hatten wir das Glück, einen der erfolgreichsten Vereinstrainer in Deutschland als Gesprächspartner zu bekommen.

Stefan Gottschalk / TA: Martin, erstmal herzlichen Glückwunsch! Dein Team hat reichlich abgeräumt bei der Deutschen Meisterschaft, aber auch bei den besagten DTU Final9-Turnieren in Hessen und Berlin konnten sich einige Sportler von Dir in der Siegerliste eintragen. Was hältst Du von den Änderungen und vom neuen Reglement?
Martin Schoepe / Taekwondo Sportschule Wuppertal: Ich halte das neue Reglement für sehr interessant. Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, wie es sich langfristig in der Praxis bewährt. Wir haben bis jetzt beim Hessen Cup und Berlin Open insbesondere nach dem Best of 3 Modus gekämpft, die neuen Klassifikationen bei den Kadetten sind noch nicht zum Einsatz gekommen.

TA: Was ist Dein erster Eindruck? Das neue Regelwerk hat den Sport verändert.
Martin Schoepe: Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Ja, unser Sport wird sich verändern durch die neuen Regeln. Der Coach kann nach dem neuen Regelwerk beim Kopftreffer, der nicht ausgelöst hat, wieder seine Karte ziehen und ein Videoreplay fordern. Ich bin gespannt, wie sich das auf die Kämpfe auswirken wird.

TA: Man hat ziemlich schnell nachgebessert und Anpassungen vorgenommen. Kam die Modifizierung für Dich zu schnell oder hat aus Deiner Sicht gut reagiert?
Martin Schoepe: Man hat ja schon bei den Spanish Open Anfang April nach dem neuen Regelwerk gekämpft und gemerkt, dass man nachbessern muss. Ich finde es sehr gut, dass die WT so schnell reagiert und korrigiert hat.

TA: Hat sich bei der Turniervorbereitung etwas geändert?
Martin Schoepe: Nein, kaum. Es gibt immer wieder Dinge, die man an das heutige Wettkampfgeschehen anpassen muss. Bewegung, kein Stillstand und sich weiter entwickeln ist unser Motto.

TA: Wie gehen die Sportler mit der neuen Regel um? Hast Du das Gefühl, dass Deine Sportler jetzt anders in die Wettkämpfe gehen?
Martin Schoepe: Ja, die Sportler gehen fokussierter in die Kämpfe, denn sie wissen, dass sie am besten schon die erste Runde gewinnen und auf die Gam-jeoms achten müssen.

Berlin Open 2022 - DTU Final9

TA: Wie bereitest Du als Trainer Dich jetzt auf die Wettkämpfe vor?
Marten Schoepe: Ich habe mich im Vorfeld intensiv in das neue Regelwerk eingelesen, um bei den Wettkämpfen gut vorbereitet zu sein. Natürlich ist auch die Praxis wichtig, um sich auf den Umgang mit dem neuen Reglement einzustellen.

TA: Es gab einige Kämpfe, bei denen Sportler die erste Runde hoch gewinnen konnten, am Ende aber trotzdem den Wettkampf verloren haben. Wird dies den Charakter des Sports grundsätzlich ändern?
Martin Schoepe: Ich habe auch viele Kämpfe gesehen, bei denen Sportler oder Sportlerinnen die erste Runde klar gewonnen und den Wettkampf dann doch verloren haben. Ich finde, das macht unseren Sport noch interessanter und spannender: Du kannst Dir nie sicher sein, bis der Kampf wirklich vorbei ist. Die Sportler sind sehr flexibel und brauchen gewöhnlich nicht lange, um sich an neue Regeln zu gewöhnen.

TA: Wer wird von dem neuen Reglement profitieren?
Martin Schoepe: Ich denke, das neue Regelwerk wird eher den offensiven Kämpfern zugutekommen. Wenn der Angreifer nach einer Drehtechnik fällt, wird er nicht mehr mit einem Gam-jeom bestraft wie es früher war. Mut zur Drehtechnik wird belohnt.

TA: Taekwondo ist – auch dank des neuen Reglements – für mich absolut Medien-tauglich. Warum zeigt man im deutschen Sportfernsehen lieber eSport und leider noch nicht Taekwondo? Was sollte sich eventuell an der Umsetzung noch ändern?
Martin Schoepe: Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass unserem schönen Sport in den Medien keine große Beachtung geschenkt wird. Ich glaube aber, in erster Linie müssen wir unseren Sport interessanter für die Zuschauer machen. Wobei ich keine andere Kampfsportart kenne, bei der die Regeln so oft geändert werden, sei es im positiven oder negativen Sinne. Dazu kommen häufige Unterbrechungen während des Kampfes, die wahrscheinlich für den Taekwondo-unerfahrenen Zuschauer nicht nachvollziehbar sind und unseren Sport für die breite Masse und die Medien nicht attraktiv genug machen, weil dabei dem Kampf oft die Schnelligkeit genommen wird und das Geschehen dann teilweise schleppend wirkt.

TA: Wie sehen Deine weiteren Planungen mit dem TSW aus? Zuletzt konntet ihr den Teampokal in Berlin hochhalten. Erfolg verpflichtet. Oder?
Martin Schoepe: Bei den Berlin Open als gemeinsames TUNRW-Team aufzutreten und dann in der Mannschaftswertung den 1. Platz zu belegen war für alle Sportler und Trainer sowie alle Mitreisenden ein schönes Erlebnis. Zwei Sportlerinnen von mir kämpfen nun um die WM-Tickets. Taekwondo-Aktuell Juni 2022 – Nr. 6 – 48. Jahrgang

Stefan Gottschalk - Fair leasen! #fairleasen

Als Finanzierungs- und Leasingspezialist sind Weiterentwicklungen für mich immer eine interessante Sache. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nach diesem Motto lebe ich und habe mit dieser Maxime bereits einiges in meinem Leben erreicht. Technischer Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle Motorsport stehen im Mittelpunkt meiner Interessen. Aus Begeisterung für Neues aus Wirtschaft, Technik und Maschinen! #fairleasen #mediabel

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