Foto: Jörn Meiners / Ju-Sports

Im Gespräch mit Jörn Meiners / Ju-Sports & Bundestrainer des DJJV

Foto: Jörn Meiners / Ju-Sports
Foto: Jörn Meiners / Ju-Sports

Jörn Meiners ist kein unbekannter in der deutschen Kampfsportszene. Der erfolgreiche Unternehmer konnte auch als Sportler überzeugen. Zu seinen größten Erfolgen gehören u.a. Weltmeister 1998, World Games Sieger 1997, Vizeeuropameister 1997, Deutscher Meister 1991, 1992, 1998 im Ju-Jutsu Fighting und ist Träger des 6. Dan.

Neben seinen erfolgreichen Unternehmen – Ju-Sports – ist Meiners DOSB Diplom-Trainer und aktuell auch Bundestrainer des DJJV e.V. für die Fighting Frauen Nachwuchskader 1 (U21) tätig – und damit tief im Leistungssport verwurzelt. Mit Ju-Sports löste er dieses Jahr SportArt3 als Lieferant und Lizenznehmer für ADIDAS Boxing Gear ab. Keine Frage, Jörn Meiners gehört längst zu dem erstklassigen Namen im Bereich der Kampfsport-Artikel und zu den großen, deutschen Expertisen für zahlreiche Vereine, Verbände und vor allem für unzählige Endkunden. Egal ob als Unternehmer, Fitness-, Sportreha- oder Ernährungstrainer der BSA, Der DOSB Diplom-Trainer Jörn Meiners weiß, worüber er spricht.

Herr Meiners, nach dem sie dieses Jahr auch Taekwondo übernommen haben, sind sie verantwortlich für die asiatischen Hauptsportarten (Taekwondo, BJJ und Judo) der adidas Distribution. Wie hat sich der Markt in den letzten Wochen & Monate in der „Coronakrise“ verändert? Welche Pläne haben Sie?
JM: Die Sportart Taekwondo betreuen wir ja schon seit 2012, das war unser Start mit der adidas-Zusammenarbeit. Seitdem hat sich viel getan, so kam dann 2018 Judo und BJJ dazu, seit 2021 sind wir auch für Kickboxen und Boxen für die Marke mit den drei Streifen verantwortlich. Die Corona-Krise hat natürlich den Vereinssport zunächst einmal komplett lahmgelegt. Man muss nun hoffen, dass die Leute auch wieder zurückfinden, wenn alle geimpft sind. Aber ich bin da zuversichtlich, denn wer einmal Kampfsport betrieben hat, wird das wieder tun.

Wie haben Sie den Markt beobachtet – wie hat Corona den Kampfsport verändert? Welche Entwicklungen prognostizieren Sie für die Zukunft? 
JM: Ich denke, jede Krise ist auch eine Chance. Die Digitalisierung, auch im Sport, ist enorm vorangetrieben worden. Es wurden ganze Kurse und Online-Trainings ins Leben gerufen, wo zum Teil weltweit Athleten miteinander trainieren können, was vorher nur mit extremen Kosten möglich gewesen wäre. Wir im DJJV (Deutscher Ju-Jutsu Verband) werden sicherlich die Technikanalyse und einige Trainingseinheiten mit den Kaderathleten, die ja über ganz Deutschland verteilt sind, beibehalten. So gesehen kann man dem ganzen dann auch etwas Positives für die Zukunft abgewinnen, denn ohne die Krise hätte man sich vermutlich damit nicht beschäftigt.

Wie haben Sie die Corona-Pandemie und insbesondere den Lockdown erlebt? Konnten sie trotzdem Kampfsport trainieren?
JM: Ich trainiere ja Ju-Jutsu 😉, aber ja, wir haben trainiert, zumindest für Kaderathleten war ja fast durchgängig Training möglich, also auch in der Halle, das haben wir natürlich genutzt. Leider konnten natürlich nicht alle Vereinsmitglieder trainieren, aber wir hatten auch ein umfangreiches Online-Angebot, sowohl im Verein, als auch im Ju-Jutsu Verband Bayern, sowie dem Deutschen Ju-Jutsu Verband, so kamen eigentlich alle Teilnehmer auf ihre Kosten.

Wie Sie zum persönlich zum Online-Training?
JM: Zunächst war ich nicht sehr begeistert, muss ich ehrlich zugeben, ich dachte nicht, dass man so viel machen kann und so viele Impulse geben kann. Aber je länger wir mit den Leuten gearbeitet haben, desto mehr Ideen kamen und mittlerweile ist das ja schon Standard, wie schon erwähnt, wir werden das in einigen Teilen sicherlich beibehalten.

Worin sehen Sie den Unterschied zwischen Ihrem Training früher und dem Training heute? Wie hat sich der Sport in den letzten Jahren verändert?
JM: Der Sport ist viel professioneller geworden, die Trainingslehre ist natürlich auch weiter, das Training läuft daher gezielter ab. Auch wenn ich natürlich manchmal gerne an die Zeiten denke, wo man ein paar Stunden trainiert hat und dann völlig fertig war und es vielleicht nicht optimal war, aber gebracht hat es sicher dennoch was!

In Ihren Lehr-DVDs können vermitteln Sie, dass Kampfkünste die Persönlichkeit durch die Ausübung der Kampfkunst entwickeln können. Wie genau meinen Sie das?
JM: Ich denke, jeder Sport prägt die Persönlichkeit der Teilnehmer. Man agiert natürlich beim Sport, egal ob Einzel- oder Mannschaftssport, sehr sozial, man lernt, im Verein mit zu arbeiten und bringt sich für die Allgemeinheit ein, das halte ich für enorm wichtig und das geht vielleicht unserer heutigen Gesellschaft ein wenig abhanden. Durch Social Media meint die jüngere Generation ja, sie wäre überall dabei, aber tatsächlich sehen sie ja nur die Erlebnisse von anderen. Da versucht man als Trainer dann ein wenig zu beeinflussen und die  Leute dazu zu bringen, ihr eigenes Leben zu gestalten und zu leben. Kampfsport trägt natürlich insbesondere zur Entwicklung bei, weil man stark Rücksicht auf seine Trainingspartner nehmen muss und dadurch auch Verantwortung übernimmt.

Was bedeutet für Sie Kampfsport im Allgemeinen? Wie oft trainieren Sie selbst noch?
JM: Ich halte dreimal Training in der Woche und am Wochenende natürlich oft Kadertraining mit dem Nationalteam, dadurch bin ich oft auf der Matte, aber ich trainiere natürlich nicht mehr so viel für mich, das mache ich meist im Krafttraining oder beim Inline-Hockey, das ich mittlerweile auch für mich entdeckt habe.

Wie verbunden sind Sie als ehemaliger Champion noch Ju-Jutsu, wie stehen Sie zu den anderen Kampfsportarten?
JM: Natürlich ist Ju-Jutsu meine Hauptsportart, aber ich bin sehr interessiert (schon beruflich) an allen anderen Kampfsportarten oder auch überhaupt an anderen Sportarten. Meine Töchter spielen Volleyball, die jüngere spielte lange Handball, da war ich auch in anderen Sporthallen als nur beim Kampfsport!
Ich selbst war auch aktiv im Judo und Kickboxen und bin für alle Sportarten komplett offen.

Welches waren ihre schönsten Momente?
JM: Da gibt es in den vielen Jahren natürlich viele, aber in Deutschland 1998 bei der WM oben zu stehen, das war natürlich besonders, meine ältere Tochter Svenja war auch schon dabei, damals 4 Monate alt, aber dabei, das war natürlich sensationell.

Welche Lehrer und Weggefährten haben Sie besonders beeindruckt? Warum? Haben Sie als Bundestrainier ein Vorbild?
JM: Natürlich sind die ersten Trainer die wichtigsten, die weisen den Weg für die Zukunft. Das waren vor langer Zeit in meinem Heimatverein Lothar Schmidberger und Jens Stoll, zu damaligen Zeit extrem erfolgreiche Athleten und auch Trainer. Dann kam ich studienbedingt und wegen meiner Frau nach Würzburg und trainierte dort beim damaligen Bundestrainer Roland Köhler. Mit ihm verbindet mich die meiste Zeit meines Lebens. Aktuell ist Roland immer noch als Bundestrainer tätig (meines Wissens der Dienstälteste Trainer im DOSB). Roland macht die Damen (World Games Kader) und ich mache das Nachwuchskader (ehem. U21). Roland ist natürlich als BT mein Vorbild, er hat unzählige Medaillen bei World Games und WM gewonnen, da beneiden uns viele Sportfachverbände darum!

Welchen Ratschlag würden Sie einem Anfänger mit auf den Weg geben? Welcher Kampfsport ist für wen der richtige? Warum Kampfsport?
JM: Mache das, was Dir am meisten Spaß macht, aber mache das dann richtig! Damit erledigt sich dann auch die zweite Frage, kein Sport ist besser als der andere, es ist ja immer eine Frage der Vorlieben oder dessen, was man erreichen will. Kampfsport ist natürlich extrem vielfältig, Schnelligkeit, Präzision, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, alles wird geschult, daher finde ich es so faszinierend.

Aber genauso akzeptiere ich, dass z.B. meine Töchter Volleyball spielen, es macht ihnen mit Ball einfach mehr Spaß 😉. Übrigens haben beide den 1. Dan im Ju-Jutsu (freiwillig gemacht!)

Sie unterstützen auch in der Corona-Krise vorbildlich den Breitensport. Wie wichtig ist die Basis für den Leistungssport? Fehlt dem Breitensport nach Corona der Nachwuchs? Was ist ihr Feedback aus den Vereinen, mit denen Sie zusammenarbeiten?
JM: Ohne Breitensport ist Leistungssport nicht möglich, hier werden Talente entdeckt und gefördert, zu ihren Sportarten gebracht!
Natürlich wird es nach Corona eine Zeit dauern, bis die Vereine das Level von vorher erreicht haben, es sind viele Kündigungen eingegangen, ohne neue Mitglieder gewinnen zu können, da wird es sicherlich eine Delle geben in einigen Sportarten, vor allem natürlich bei den Kontaktsportarten, das erzählen auch viele Vereine. Aber auf der anderen Seite gehen die Vereine vielleicht auch noch mehr in die Werbung, überlegen sich wieder neue Kurse und kommen dann nach ein paar Monaten stärker zurück als vorher, man muss immer versuchen, weiter zu machen!

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona? Der Kampfsport braucht wieder Wettkämpfe!?
JM: Na klar, Wettkämpfe sind das Salz in der Suppe! Sich zu messen, das wollen doch die Sportler.
Ich wünsche mir aber am meisten, dass wir keine Vereine und Trainer verlieren, die jetzt vielleicht gemerkt haben, dass kein Training zu halten, eine Alternative ist. Ich hoffe, es raffen sich nun wieder alle auf und helfen in ihrem Verein mit, alles wieder aufzubauen und zusammen zu halten.

Das letzte Wort gehört Ihnen. Was möchten Sie uns noch sagen, was haben wir vergessen zu fragen? Gibt es evtl. ein aktuelles Projekt, worüber Sie uns noch informieren möchten!?
JM: Sie haben wirklich viel gefragt, hat mir richtig Spaß gemacht, auf die Fragen passende Antworten zu finden 😉. Projekte hat man in einer Firma immer, wir sind gerade dabei, unseren Social Media Auftritt richtig in Schwung zu bringen und wir möchten nun zum Restart gemeinsam mit den Verbänden, die wir unterstützen, ein groß angelegtes „Back to Gym“ oder „Back to mat“ Programm auflegen, wo sich die Sportler dann vergünstigt neu eindecken können! Mit dabei sind die DTU (Deutsche Taekwondo Union), der DJJV (Deutsche Ju-Jutsu Verband), die BAKU (Bayerische Kickbox Union), das HJT (Hamburger Judo-Team) und der TV Erlangen Judo.

Stefan Gottschalk

Als Finanzierungs- und Leasingspezialist sind Weiterentwicklungen für mich immer eine interessante Sache. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nach diesem Motto lebe ich und habe mit dieser Maxime bereits einiges in meinem Leben erreicht. Technischer Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle Motorsport stehen im Mittelpunkt meiner Interessen. Aus Begeisterung für Neues aus Wirtschaft, Technik und Maschinen! #fairleasen #mediabel

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